Der Mensch Johannes Kepler

Mir kommen die Wege, auf denen die Menschen zur Erkenntnis gelangen fast ebenso bewunderungswürdig vor wie die Natur der Dinge selbst.

Zitat: Johannes Kepler


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Die vielen Gesichter des Universalgenies Johannes Kepler
Text-& Bildcollage aus unterschiedlichen Quellen (Briefe, Bücher & Internet)

Der junge Kepler
Kepler der Reisende
Kepler der Familienmensch
Kepler der Dichter
Kepler der Musiker
Kepler der Naturphilosoph
Kepler der theologische Denker
Kepler der Astrologe
Kepler der Mathematiker und Rechner
Kepler der Optiker
Kepler der Astronom
Kepler der Kosmologe
Kepler der Geophysiker
Kepler der Techniker
Kepler der Visionär

Der junge Kepler
Johannes Kepler wurde am 27.12.1571 in Weil der Stadt in Baden-Württemberg geboren. Johannes war eine Frühgeburt und galt immer als schwaches und kränkliches Kind. Im Jahre 1575 überstand er eine Pockenerkrankung, behielt aber ein Augenleiden zurück. Trotz seiner eigentlich angeschlagenen Gesundheit war er frühreif und beeindruckte die Gäste im Gasthaus seiner Mutter oft mit seinen mathematischen Fähigkeiten. Seine Mutter weckte in Johannes schon früh das Interesse für die Astronomie. Sie zeigte ihm den Kometen von 1577 und die Mondfinsternis von 1580. Im Alter von 8 Jahren besuchte Kepler die Lateinschule in Leonberg, anschließend ging er nach Adelsberg. Mit 15 Jahren wechselte er auf die Stiftsschule in Maulbronn und machte dort sein Examen im Jahre 1591. Im Jahre 1589 begann er am Tübinger Stift Theologie zu studieren. Die theologische Karriere war jedoch von kurzer Dauer, denn bereits im Jahre 1594 trat er in Graz die Stelle als Mathematiklehrer an.

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Kepler der Reisende
Reisen war zu Kepler‘s Zeiten nur zu Fuß, mit Pferd, Kutsche oder Schiff möglich. Die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit betrug etwa 30km/Tag. Gereist wurde nur tagsüber. Wenn man Keplers enorme Reisetätigkeit bedenkt, wenn man weiß, wieviele Tage, Wochen und Monate er insgesamt am Rücken der Pferde, zu Fuß oder in der Kutsche oder auf einem Schiff auf der Donau verbracht hatte, ist es heute schwer vorstellbar, wann Kepler seine großartigen Werke verfasst hatte bzw. wann er seine aufwändigen Rechenarbeiten gemacht hatte. Unvorstellbar. Auch er hatte nur 24 Stunden je Tag zur Verfügung. Um einen groben Überblick zu geben seien ein paar Reiseziele angeführt die oft mehrfach bereist wurden: Passau, München, Ulm, Frankfurt, Weil der Stadt , Stuttgart, Prag, Sagan; Regensburg, Kunnstatt, Wien, Graz und viele kleinere Städte in der jeweiligen Umgebung .... zB. während seines Linzer Aufenthaltes hatte Kepler nachweislich folgende Orte in Oberösterreich aufgesucht: Aschach (1619), Eferding (1613), Enns (1616), Oberwallsee (1625), Schwertberg (1616), Steyr (1616), Steyregg (1613) und Wels (1623). Die Mühen des Reisens waren letztendlich auch der Grund für seinen Tod. Als sein Förderer der kaiserliche General Albrecht von Wallenstein im August 1630 auf dem Reichstag in Regensburg seine Funktion als Oberbefehlshaber verlor, reiste Kepler nach Regensburg, um dort am Reichstag ausstehende Gehaltsforderungen in Höhe von 12.000 Gulden einzufordern, was ihm aber nicht gelang. Nach nur kurzem Aufenthalt in Regensburg und geschwächt durch die Reise, wurde Kepler schwer krank und starb am 15.November 1630 im Alter von knapp 59 Jahren.


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Kepler der Familienmensch
1595 war Kepler der 23-jährigen Barbara Müller begegnet, die bereits zweifach verwitwet war und eine Tochter hatte. Als Kepler um sie warb, lehnte ihr Vater, ein wohlhabender Müller, eine Heirat mit dem aus seiner Sicht armen Kepler zunächst ab und brachte die Verbindung beinahe zum Scheitern. Er lenkte schließlich ein, als Vertreter der Kirche Druck auf ihn ausübten, Kepler als Schwiegersohn anzuerkennen. Kepler und Barbara Müller heirateten im April 1597. Das Paar bekam fünf Kinder. Ein Sohn und eine Tochter (Heinrich und Susanna) überlebten ihre Kindertage nicht. Danach kamen die Kinder Susanna (*1602), Friedrich (*1604) und Ludwig (*1607). 1611 wurde zu einem Schicksalsjahr in Keplers Leben. Im Januar erkrankten seine drei Kinder an den Pocken, der sechsjährige Sohn Friedrich starb.Im selben Jahr starb seine Frau Barbara. Von 1615 an musste er sich um die Verteidigung seiner Mutter Katharina kümmern, die unter dem Verdacht der Hexerei angeklagt war. Damit verbunden war ein langwieriger Prozess. Am Ort waren schon mehrere Frauen als Hexen verbrannt worden und sie selbst war unmittelbar von einem ähnlichen Schicksal bedroht. Kepler engagierte sich auch zum Ärger der örtlichen Justiz sehr für seine Mutter und erreichte im Oktober 1621 ihre Freilassung. Keplers Mutter starb schon ein halbes Jahr später, vermutlich an den Folgen der Haft, in der sie 14 Monate angekettet war und ihr auch Folter angedroht wurde. Nach dem Verlust seiner ersten Frau hatte er im Lauf von zwei Jahren insgesamt elf Kandidatinnen als zweite Ehefrau in Betracht gezogen. Schließlich heiratete er im Oktober 1613 die Eferdinger Bürgerstochter Susanna Reuttinger. Von den sechs Kindern, die sie bekamen, starben die drei zuerst geborenen früh; eine Tochter (*1621 Cordula) und zwei Söhne (*1623 Friedmar und *1625 Hildebert) überlebten ihre Kindheit.

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Kepler der Dichter
Weniger geläufig ist Keplers Wirken als Dichter. Aber gleich das erste astronomische Werk des Vierundzwanzigjährigen, das "Mysterium Cosmographicum", beginnt mit zwei kurzen Gedichten und endet mit einem Hymnus auf Gott als Schöpfer der Welt in 32 Hexametern. Schon aus der Studienzeit kennen wir 13 Gedichte zu Hochzeiten, Magisterpromotionen und anderen Gelegenheiten. Keplers Dichten setzt sich fast bis zum Tod fort. Die genaue Anzahl seiner Gedichte ist unbekannt, verbürgt sind 64 lt. dem Buch "Keplers sämtliche Gedichte" von Dr.Seck. Seine Gedichte sind oft originell, einige zeigen seinen Humor und seine Spottlust. Wie viele Gelehrte seiner Zeit schrieb auch Kepler seine Gedichte in der Sprache der Wissenschaft, in Latein. Nur wenige verfasste er in Griechisch oder Deutsch. Dabei spielte die gründliche Kenntnis der römischen und griechischen klassischen Dichter und Schriftsteller eine große Rolle. Vergil, Cicero, Demosthenes waren ihm aus Schulzeit in Maulbronn bestens vertraut. Ein Universitätsabsolvent damaliger Zeit kannte die griechisch-lateinischen Versmaße und war in der Lage, die Stilformen der Klassiker anzuwenden und griechische und vor allem lateinische Gedichte zu beliebigen Zwecken zu verfassen. Sie zeichnen sich oftmals durch Ironie und Witz, Allegorien, Anspielungen und Versteckspiele aus und lassen auch Keplers Humor deutlich werden. Kepler ist kreativ, findet neue Wortschöpfungen, imitiert und zitiert antike Autoren, wählt ungewöhnliche Versmaße, Gattungen und Stoffe. Er verfasste auch seine eigene Grabinschrift.

Mensus eram coelos,
nunc terrae metior umbras.
Mens coelestis erat,
corporis umbra jacet.

Die Himmel hab ich gemessen,
jetzt mess ich die Schatten der Erde.
Himmelwärts strebte der Geist,
des Körpers Schatten ruht hier.


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Kepler der Musiker
JOHANNES KEPLER  veröffentlichte 1619 in seinem Werk „Harmonice Mundi" eine Beschreibung der Sphärenmusik nach exakten Gesetzen, sowie ihre musikalische Notierung. Er verband Zahlenverhältnisse mit Musik, speziell im astronomischen Bereich. KEPLER ordnete jedem Planeten eine relative Umlaufgeschwindigkeit zu und anhand dieser jedem Planeten einen eigenen Ton. Planeten bewegen sich auf Ellipsenbahnen und befinden sich somit mal im Perihel (in Sonnennähe) und mal im Aphel (in Sonnenferne). KEPLER berechnete nach den Verhältnissen der Perihel- und Aphelgeschwindigkeiten zu jedem Planeten die zugehörigen Intervalle.
Kepler sprach in diesem Werk von einem harmonischen Gesetz. Er glaubte, dass es eine musikalische Harmonie enthülle, die der Schöpfer im Sonnensystem verewige. „Ich fühle mich von einer unaussprechlichen Verzückung ergriffen ob des göttlichen Schauspiels der himmlischen Harmonie. Denn wir sehen hier, wie Gott gleich einem menschlichen Baumeister, der Ordnung und Regel gemäß, an die Grundlegung der Welt herangetreten ist....."

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Kepler der Naturphilosoph
Kepler vertrat eine ganzheitliche Philosophie. Er war ein pythagoreischer Mystiker. Für Kepler war auch die Astrologie bis an sein Lebensende ein Teil seiner naturphilosophischen Beschäftigung. Er glaubte, dass die Grundlage der Natur mathematische Beziehungen seien und alle Schöpfung ein zusammenhängendes Ganzes. Diese Auffassung stand im Gegensatz zur aristotelischen Lehre, wonach die Erde grundsätzlich verschieden vom Rest des Universums sei, aus anderen Substanzen bestehe und auf ihr andere Gesetze gelten. In der Erwartung, universelle Gesetze zu entdecken, wandte Kepler irdische Physik auf Himmelskörper an.

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Kepler der theologische Denker
Bereits in seiner Studienzeit wurde er zum Kopernikaner und verteidigte das kopernikanische Weltbild sowohl von einer theoretischen als auch von einer theologischen Sicht in Debatten mit Studenten. Kepler wollte in seiner Jugend eigentlich Pfarrer werden. Schon als Schüler in den Klosterschulen Adelberg und Maulbronn und im Grundstudium der Artes Liberales an der Universität Tübingen wurde er täglich darauf trainiert, Latein fließend zu schreiben und zu sprechen. Dies war unabdingbare Voraussetzung für das eigentliche Studium von Theologie, Jura oder Medizin und für eine wissenschaftliche Karriere. In Glaubensfragen und den Streitigkeiten der Reformationszeit äußerte er sich mehrmals in versöhnlicher Weise. Kepler war überzeugt, dass der Schöpfer das Universum nach "Maß, Zahl und Gewicht" geordnet hatte. Er wollte das Buch der Natur verstehen.


Im Linzer Mariendom findet man Kepler mit Teleskop unter seinem Arm in einem Glasfenster neben anderen modernen Glasfenstern mit astronomischen Motiven aus Daten von Radioteleskopen.

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Kepler der Astrologe
Kepler war davon überzeugt, dass bestimmte Konstellationen der Himmelskörper den Menschen beeinflussen können wie das Wetter. Die Sternen- und Planetenkonstellationen zum Zeitpunkt der Geburt waren ihm wichtig. Diese legten Veranlagungen des Menschen fest - Tageshoroskope lehnte er ab. Zeit seines Lebens versuchte er die Zusammenhänge zu ergründen und wollte die Astrologie auf eine wissenschaftliche Basis stellen. De Fundamentis Astrologiae Certioribus („Über zuverlässigere Grundlagen der Astrologie“). Er verachtete Astrologen, die dem Geschmack des gemeinen Mannes hörig waren, ohne Kenntnis der abstrakten und allgemeinen Gesetze. Im Dreißigjährigen Krieg verfasste Kepler für den Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armee Generalissimus Wallenstein Horoskope, in denen dem Generalissimus für sein Todesjahr 1634 Schwierigkeiten vorhergesagt wurden. Kepler habe diese nach seiner Ansicht als Philosoph und nüchtern denkender Mensch verfasst und nicht aus der Stimmung der im Aberglauben verhafteten Volksastrologie. Auch sah Kepler Horoskope als eine legitime Möglichkeit an, um sein mageres Einkommen aufzubessern. Doch wäre es falsch, Keplers astrologische Interessen als rein kommerziell motiviert abzutun. Kepler warnt aber auch vor dem astrologischen Fatalismus und räumte der menschlichen Willkür die Möglichkeit ein, himmlische Zwänge durchbrechen zu können und von dem astrologisch vorgezeichneten Weg abzuweichen. Zitat: „Die Sterne zwingen nicht, sie machen nur geneigt.“ Vom späteren Hochmittelalter an und vor allem in der Renaissance bis ins 17. Jahrhundert galt die Astrologie in Europa, immer verbunden mit der Astronomie, vielfach als eine Wissenschaft, wenn auch als durchaus umstrittene. Alles in allem Kepler befand sich im ersten Drittel des 17. Jahrhundert als Astrologe durchaus noch in bester Gesellschaft. Ein Forscher, der solch "dunkle Lehren" zur Grundlage seiner naturwissenschaftlichen Untersuchungen machte, erschien einem Rationalisten wie Galilei bereits eher zwielichtig. Mit Galilei wechselte Kepler zwar öfter Briefe, dieser jedoch hielt nicht viel von Keplers "fernwirkenden Kräften“ und esoterischen „Harmonien“. So war das Verhältnis zwischen den beiden – manchen fachlichen Übereinstimmungen zum Trotz – eher gespannt.

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Kepler der Mathematiker und Rechner
Kepler hat sich viel mit Kalenderrechnung beschäftigt. Die Erstellung von Kalendern gehörte auch bereits zu seinen Aufgaben als Mathematiklehrer in Graz. Er war später sogar Gutachter für Kalenderfragen. In diesem Kontext erschien 1613 "Vom wahren Geburtsjahr Christi (Itinera Classica)" in dem Kepler besonderes Talent für die Darstellung historischer Ereignisse und für Staatsrecht zeigt. Ausgehend von einer Mondfinsternis [4 v.Chr.], Flavius Iosephus, römischen Historikern und den Evangelien beweist Kepler, dass Christus fünf Jahre vor der Zeitenwende geboren wurde, ohne daß dies Eingang in die Zeitrechnung fand. Auch der Stern von Bethlehem beschäftigt ihn, wobei bis heute offenbleibt, ob er ein Komet oder eine Konjunktion war. Seine ausdauernden rechnerischen Arbeit und emsigen mathematischen Auswertung der Beobachtungsdaten von Tycho Brahe, die Ihn nach zwanzig Jahre sorgfältiger Versuche und Überprüfungen, um eine mathematische Beschreibung der Planetenbewegungen zu finden, die zu den beobachteten Daten passt zu den berühmten Keplerschen Gesetzen führte (siehe Kepler der Astronom) Kepler erkannte bei seinen immensen Rechenaufgaben auch die Bedeutung des logarithmischen Rechnens. Nachdem Kepler klar geworden war, welche Vereinfachung die neue Rechenmethode für die umfangreichen und zeitraubenden astronomischen Rechenarbeiten mit sich brachte, setzte er diese gezielt ein. Mit dieser Rechentechnik erstellte er die finale Version der Tabulae Rudolfinae (Rudolfinische Tafeln - vollendet 1624, veröffentlicht-1627 in Ulm) Johannes Kepler schrieb auch zu diesem mathematischen Verfahren ein Buch und erstellte seine eigenen 7 stelligen Logarithmentafeln. Das Buch "Chilias Logarithmorum" (Tausende von Logarithmen), enthält nicht nur eine theoretische Begründung der zu dieser Zeit gängigen Napierschen (5 stelligen)Logarithmen, sondern stellt eine eigenständige Theorie der Funktion des natürlichen Logarithmus, wie er vorher nicht bekannt war, dar.

Die Rudolphinischen Tafeln sind zweifelsohne ein mathematisches Meisterwerk von Johannes Kepler. Sie bildeten die Rechengrundlage für die neue Astronomie. Kepler setzte bei der Berechnung der Örter von Sonne, Mond, Planeten, von Verfinsterungsterminen („für jede beliebige Zeit“). Er wertete die Aufzeichnungen Tycho Brahes aus und beschrieb die Positionen der Planeten mit bis dahin unerreichter Genauigkeit. Die mittleren Fehler waren darin auf etwa 1/30 der bisherigen Werte reduziert. Diese Planetentafeln sowie seine in der Epitome dargelegten himmelsmechanischen Gesetze bildeten die überzeugendste Argumentationshilfe der zeitgenössischen Heliozentriker und dienten später Isaac Newton als Grundlage zur Herleitung der Gravitationstheorie. Aber Kepler beschäftigte sich nicht nur mit astronomische Berechnungen. Als Weinliebhaber und Mann der Praxis, vielleicht auch aus einem gewissen Mißtrauen gegeüber Weinhändlern, beschloß er exakt das Volumen von bauchigen Fässern zu berechnen. Seine „Nova stereometria doliorum vinariorum“ (1615) „Neue Stereometrie der Weinfässer“ (Keplersche Faßregel) trug wesentlich zur Fortentwicklung infinitesimaler Betrachtungen bei der Berechnung von Flächen, Volumina und Schwerpunkten bei. Als Mathematiker tat sich Kepler noch durch seine Behandlung der allgemeinen Theorie der Vielecke und Vielflächner hervor. Mehrere bis dahin unbekannte Raumgebilde entdeckte und konstruierte er völlig neu, unter anderem das regelmäßige Sternvierzigeck. Er interessierte sich sogar für die Mathematik des Kristallwachstums. Kepler war der erste Forscher, der Schneekristalle wissenschaftlich untersuchte. Johannes Kepler war einer der Pioniere der Schneekristallforschung. Kristallwachstum (Kristallographie) ist auch heute noch ein aktives Forschungsgebiet in Physik, Mathematik und Ingenieurwissenschaften. Kepler fragte sich, warum Schneekristalle stets eine sechsfache Symmetrie aufweisen. Er schrieb: Es muß einen bestimmten Grund geben, warum bei Einsetzen des Schneefalls die Anfangsformationen unverändert die Form eines sechseckigen Sternchens haben.Er vermutete "Innere Ursachen" Sollte es durch Zufall erfolgen, warum fallen sie dann nicht mit fünf oder sieben Ecken. Er spekulierte weiter über die die sechsstrahlige Symmetrie verursachenden Kräfte und kam dabei zu der Frage, wie man Kreise in der Ebene und Kugeln im Raum am dichtesten packen kann. Die Keplersche Frage nach der dichtesten Kugelpackung wurde von der Wissenschaft erst im Jahr 2015 gelöst und bewiesen die Richtigkeit seiner Überlegungen.

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Kepler der Optiker
Trotz seiner Sehprobleme war Johannes Kepler nicht nur Astronom, sondern lieferte bedeutende Beiträge zur Optik. Bereits 1604 veröffentlichte er sein erstes diesbezügliches Werk, Astronomiae pars optica, in dem erstmals die Funktionsweise der "camera obscura", der Lochkamera und die Funktion des Auges vollständig erklärt wurde.

Nach der Erfindung des Fernrohrs und der erstmaligen Verwendung für Himmelsbeobachtungen durch G. Galilei war es Kepler, der bald darauf eine theoretische Erklärung für den Fernrohreffekt liefern konnte. Obwohl er das Brechungsgesetz nur näherungsweise kannte, begründete er die Funktion mittels Strahlen-Konstruktionen. Galileis Instrument bestand aus einer Sammellinse (Objektiv) und einer Zerstreulinse (Okular). Diese Anordnung liefert keine hohen Vergrößerungen und wird heute nur noch als Operngucker verwendet. Keplers Auseinandersetzung mit Strahlengängen führte ihn dazu, ein verbessertes Modell vorzuschlagen, das auch als Okular eine Sammellinse benutzt. Einziger Nachteil ist das auf dem Kopf stehende Bild, was jedoch bei Himmelsbeobachtungen nichts ausmacht. Dieses Fernrohr wurde später als astronomisches oder eben Keplersches bezeichnet. Er veröffentlichte seine Ergebnisse 1610 im Buch Dioptrice. Kepler hat sich auch mit der Funktion des Auges beschäftigt und praktische Studien des Organs durch Sezieren der Augen von Schweinen während seiner Zeit in Prag angeeignet. Dabei hat er eben festgestellt, dass die Augenlinse ein verkehrtes Bild auf der Retina erzeugt. Er selbst sagte jedoch: "Wie aber das Gehirn dieses verkehrte Bild aufrichtet überlasse ich den Medizinern ....." Kepler selbst war nicht hauptsächlich ein beobachtender Astronom; seine Gesetze fand er mit Daten, die größtenteils noch ohne Fernrohr gesammelt worden waren.
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Kepler der Astronom
Zwanzig Jahre seines Lebens verbrachte Kepler mit sorgfältigen Versuchen und Überprüfungen, um eine mathematische Beschreibung der Planetenbewegungen zu finden, die zu den beobachteten Daten von Tycho Brahe passt. 1601 wurde Kepler Nachfolger Brahes Kaiserlicher Mathematiker. Kepler konzentrierte sich zunächst darauf, die Marsbahn zu verstehen, und erreichte dies auf einem Umweg. Zuerst ermittelte er eine genauere Beschreibung der Erdbahn, indem er aus Tychos Beobachtungen diejenigen Tage auswählte, an denen der Mars von der Sonne aus stets am gleichen Punkt seiner Bahn stand, die Erde aber an verschiedenen. Dabei kam er ohne genaue Kenntnis der wirklichen Abstände der Planeten voneinander und von der Sonne aus, weil seine geometrische Analyse nur deren Verhältnisse benötigte. So gewann er, ohne die genaue Umlaufbahn des Mars zu kennen, eine hinreichend genaue Beschreibung der Erdbahn, vor allem deren Exzentrität. Diese nutzte er zur Auswertung aller weiteren Beobachtungsdaten des Mars und konnte daraus dessen Bahn und Laufzeiten bestimmen. So fand er nach etwa fünf Jahren die ersten beiden der drei später nach ihm benannten Planetengesetze: Die Planetenbahn ist eine Ellipse mit der Sonne in einem Brennpunkt, und die Geschwindigkeit des Planeten variiert entlang seiner Bahn so, dass eine von der Sonne zu einem Planeten gezogene Strecke in gleichen Zeiträumen gleiche Flächen überstreicht.


Die ersten beiden Gesetze veröffentlichte er im 1609 erschienenen Werk Astronomia Nova (Neue Astronomie). Das 3. Planetengesetz krönte am 15. Mai 1618 sein jahrzehntelanges Bemühen. Er war darüber so erfreut und begeistert, dass er dieses Datum in seinem Werk: „Harmonice Mundi“ im Abschnitt "De Motibus Planetarum" explizit niedergeschrieben hat!

Damit hatte Kepler als erster eine Erklärung der Bewegung der Planeten gegeben, die deren Ursache in der Kraft der Sonne erkennt. Kepler hatte einen unglaublichen Weitblick und Instinkt für die Natur der Sache. So auch zB. was eine Supernova sei. 1604 wird der Astronom Johannes Kepler durch einen Prager Beamten, Johannes Brunowsky, auf einen hellen Stern im Sternbild des Schlangenträgers aufmerksam gemacht. Kepler untersuchte die Lage und Beschaffenheit des neuen Sterns mit den Mitteln der damaligen Zeit und hielt dies zunächst in einer deutschsprachigen Schrift fest (Gründtlicher Bericht Von einem ungewohnlichen Newen Stern, 5 Ausgaben 1604 und 1605 in Prag, Strassburg und Amberg), zwei Jahre später ausführlicher in seinem lateinischen Werk De Stella nova in pede Serpentarii. („Über den neuen Stern im Fuß des Schlangenträgers“. Heute weiß man, dass es sich bei dem „neuen Stern“ um eine Supernova handelte, also einer hellen Lichterscheinung, die entsteht, wenn ein Stern kurz vor seinem Erlöschen durch die Explosion, die diesem gewöhnlich vorangeht, noch einmal kräftig aufleuchtet. Kepler schrieb dazu in seinem Werk "De Stella Nova": "...... als quäle sich der Stern, als ob er mit dem Tod ringen würde..." Seine ausführliche Beschreibung ist auch der Grund, warum das Objekt nach ihm (Keplers Stern) benannt wurde, obwohl er es nicht als erster entdeckt hatte. Kepler machte sich auch Gedanken über Kometen und äußerte dazu dass sie keine Erscheinung in der Erdatmosphäre sind (wie die meisten anderen meinten), sondern sind physikalische reale Objekte im planetaren Raum. Die Sonnenstrahlen nehmen vom Kometen Materie weg, der Kometenschwanz streckt sich stets von der Sonne weg.  Kepler und die Jupitermonde: Kepler berechnet mit seinem dritten Gesetz die relativen Abstände zu Jupiter und Kepler ist der Namensgeber für die vier größten Jupitermonde.
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Kepler der Kosmologe
Keplers Gedanken über die Größe des Weltalls waren beeindruckend.   Kepler meinte, das Weltall kann nicht unendlich sein, denn dann wäre die Nacht nicht dunkel. Mit dieser Ansicht widersetzte er sich der Meinung aller anderer Philosophen. Erst 200 Jahre später griff der bekannte deutsche Astronom Olbers diese Argumentation wieder auf und diese wurde berühmt als "Olbers Paradoxon"!   Kepler vertrat auch die Auffassung, dass der unermessliche Himmelsraum ein Vakuum sei.   Kepler meinte, die Erde sei von der Fixsternsphäre gesehen nur ein Tüpfelchen im Weltganzen. Im Vergleich zum Weltganzen sei die Erde ein winziges Kügelchen, das nahezu verschwindet, somit würde der Mensch auch zu den letzten Nebensächlichkeiten der Welt gehören.
Eine für seine Zeit unglaubliche Aussage! 

 
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Kepler der Geophysiker
Kepler machte Überlegungen zur Atmosphäre Kepler erklärt die Refraktion in der Erdatmosphäre qualitativ und zum Teil quantitativ. Kepler erklärte auch, dass die Luft Dichte und somit Gewicht hat und schätzt es auch ab. Er meint, dass er sich mit dieser Aussage den Tadel der Physiker zuziehe. Auch seine Überlegungen zu Ebbe und Flut waren revolutionär. Kepler erklärt dies als erster Wissenschaftler mit dem Zusammenwirken der Gravitas zwischen zwei Körpern.


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Kepler der Techniker
Angeregt durch Gespräche mit einem Bergwerkbesitzer beschäftigte sich Johannes Kepler mit der Entwicklung einer Pumpe, mit der Wasser aus Bergwerksstollen herausgehoben werden sollte. Nach fehlgeschlagenen Experimenten kam Kepler der Gedanke, zwei in einem Kasten angebrachte „Wellen mit je sechs Hohlkehlen“, also Zahnräder mit abgerundeten Ecken, mit einer Kurbel anzutreiben, so dass die Radhöhlungen das Wasser nach oben beförderten. Johannes Kepler hatte somit die ventillose und nahezu wartungsfreie Zahnradpumpe erfunden, die heute in prinzipiell gleichartiger Form in Automotoren als Ölpumpe eingebaut wird.



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Kepler der Visionär
Johannes Kepler hat in seinem Werk "SOMNIUM" mit viel Phantasie und Sachkenntnis eine Reise zum Mond beschrieben. Er stellte Überlegungen an wie es auf dem Mond zugehen, und wie dort der Himmel aussehen könnte. Seine Reiseschilderung ist sehr detailliert. So leiden die Reisenden unter der Schwerelosigkeit und unter der Kälte während der Reise. Bei der Annäherung an den Mond spüren sie dessen Anziehungskraft. Nach der Landung staunen sie über hohe Berge, tiefe Täler und die Hitze der Sonne. Johannes Kepler hielt den Mond für bewohnt. Die Reisenden von der Erde begegnen merkwürdigen Lebewesen. Um möglichem Ärger mit Obrigkeit und Kirche aus dem Weg zu gehen, schilderte Johannes Kepler diese Geschichte als Traum eines Menschen. Formal hatte sie keinen Bezug zur Wirklichkeit. Anfangs gab es nur wenige Abschriften des Werks. Erstaunlicherweise hat Kepler diese Geschichte, noch bevor Galileo Galilei sein Teleskop an den Himmel richtete und etwa die Mondberge entdeckte, erstmals zu Papier gebracht.Erst 1634, vier Jahre nach Keplers Tod, ließ ein Sohn das Buch drucken.   Johannes Kepler ist somit auch der erste Science Fiction Autor - 250 Jahre vor Jules Verne!
Auch der Aufbruch zu ferneren Welten war für ihn denkbar. Als er die Kunde von Galileis Entdeckungen mit dem Fernrohr erhielt bekannte er sich spontan zur Authentizität dieser Beobachtungen. In seiner "Dissertatio cum Nuncio Sidereo" schrieb er voll Begeisterung: "Man schaffe Schiffe und Segel, die für die Himmelsluft geeignet sind.Dann wird es auch Menschen geben, die vor der öden Weite des Raumes nicht zurückschrecken werden."


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