Johannes Kepler in Graz

Ein Mangel an Phantasie bedeutet den Tod der Wissenschaft.

Zitat: Johannes Kepler

Vor seiner Prager Zeit hat der große Astronom Johannes Kepler sechs Jahre in Graz gelebt und gearbeitet. 1594 wurde Johannes Kepler als Lehrer der Mathematik an die Grazer evangelische Landschaftsschule berufen. In Keplers Lebensabschnitt in Graz fiel sein Jugendwerk „Mysterium Cosmographicum", das den Ständen der Steiermark gewidmet ist. Er glaubte darin den harmonischen Aufbau der Welt in der Kugel als symbolischem Abbild der Dreifaltigkeit und den fünf Platonischen Polyedern, die die Planetenabstände bestimmen, gefunden zu haben. Es enthielt das Grundprinzip des Weltbildes von Nikolaus Kopernikus, dass die Sonne den Mittelpunkt bildet und die Planeten, einschließlich der Erde in Kreisbahnen die Sonne umrunden.

Johannes Keplers erste Anstellung in Graz als Landschaftsmathematiker beinhaltete unter anderem die Pflicht, jedes Jahr einen Kalender herauszubringen. Aus dem protestantischen Württemberg kommend, musste er sich binnen kurzer Zeit auf die für ihn neue (Gregorianische) Zeitrechnung einstellen. Die Kalender, eine Art Bauernkalender enthielten sogenannte Praktika (praktische Ratschläge für den Alltag), zB. astrologische Befunde und Vorhersagen, etwa über die Einflüsse der auftretenden Sonnen- oder Mondfinsternisse auf Witterung, Krankheiten, Kriege etc. Auch Johannes Kepler erstellte mehr oder weniger erfolgreich solche Praktika. Jedoch hielt Kepler selbst nicht allzu viel von solchen Vorhersagen, sie waren ihm ein notwendiges Übel, um seinen Lebensunterhalt zu sichern.

Er erkannte als Erster die wahre Funktion der camera obscura. Bei der Beobachtung einer Sonnenfinsternis (Juli 1600) erkannte er den wahren Grund für die scheinbare Verkleinerung des Mondes. Seit Jahrhunderten beobachtete man mit einer camera obscura Sonnenfinsternisse und stellte eben diese Erscheinung fest, ohne eine sinnvolle Erklärung dafür (Mondverkleinerung) abgeben zu können. Tycho Brahe, der diese Erscheinung für real annahm, hatte einen pulsierenden Mond während eines Mondumlaufes um die Erde angenommen - Kepler lehnte diese Ansicht mit sicherem Instinkt ab. Seine Erkenntnisse und Erklärung für diese Erscheinung nahm er in seinem späteren Buch "Ad Vitellionem paralipomena, quibis astronomiae pars optica traditvr" auf. Für Johannes Kepler ging die Zeit in Graz bitter zu Ende. Als Protestant wurde er im Zuge der Gegenreformation im Sommer 1600 endgültig aus der Stadt gewiesen - nur Wochen nachdem er auf dem Hauptplatz die Sonnenfinsternis beobachtet hatte.


Rechts: zeitgenössische. ca. 400 Jahre alte Zeichnung aus einem Studienbuch. Sie erklärt das Prinzip der Camera Obscura.
Links: Seite aus Keplers Optik-Buch "Ad Vitellionem paralipomena, quibis astronomiae pars optica traditvr"

Eine schöne Sammlung zu Keplers Schaffen befindet sich im Keplerraum im Bundesrealgymnasium Keplerstraße in Graz


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